Die aufregendsten siebeneinhalb Minuten meines Lebens

Swetlana Reiche auf der KMU-Hauptversammlung in Neapel

Auf dem Podium beim "Entrepreneurship Forum" (Foto: Paul Robert Williams / SME Assembly)

Das Herz pocht, die Beine werden weich, die Augen der Konferenzteilnehmer sind auf mich gerichtet… O mein Gott, hast du dir das genau überlegt? Zum Glück kann ich in Deutsch sprechen, da die Rede simultan in alle Sprachen der Teilnehmer übersetzt wird. Wie war das noch mal im letzten Vortrag? Wovor haben die meisten Menschen Angst? Vorm Sterben? Nein, die meisten Menschen haben Angst vor anderen Leuten zu reden!

„Hello Ladys and Gentlemen, I’ll speak in German, so you have now the chance to take your translator“ :-)

Siebeneinhalb Minuten Rede bei der EU-Konferenz in Neapel vor unzähligen unbekannten Gesichtern, die noch dazu wichtigen Persönlichkeiten aus Industrie und Wirtschaft gehören. Siebeneinhalb Minuten, die die aufregendsten meines Lebens waren. Zumindest fast: Schlimmer war nur die Fahrt als Beifahrer auf dem Nürburgring – unter Formel-1-Kennern auch „Die grüne Hölle“ genannt. Es gab nur einen entscheidenden Unterschied: Damals konnte ich auf den letzten zwei Kilometern vor unerträglicher Angst die Augen schließen. Bei der Konferenz in Neapel vergangene Woche ging das nicht…

Aber jetzt nochmal der Reihe nach:

Eines Tages kam ein Anruf direkt aus Brüssel und eine freundliche Stimme am Telefon sagte, dass Lensspirit im Rahmen der Europäischen KMU-Woche (KMU – kleine und mittelständische Unternehmen) eine Auszeichnung als Europe’s Digital Icon erhält. Wahnsinn – es müssen wohl einige deutsche Unternehmen dort vorgeschlagen worden sein und wir – Lensspirit – haben diese Auszeichnung verdient, in die europäische Broschüre The Secret of Success“aufgenommen zu werden. Diese soll übrigens in 28 Sprachen übersetzt werden und Schulen und Universitäten als Anschauungsmaterial und für den Unterreicht zur Verfügung gestellt werden. „Das ist ja irre!“ – habe ich gedacht und habe mich auf die Einladung zur EU-Konferenz nach Neapel richtig gefreut.

So kam es dazu, dass ich am 30.09.2014 mit dem Bus zusammen mit einigen anderen internationalen Teilnehmern vom Capodichino-Flughafen in Neapel abgeholt worden bin.

Neapel – Eine lebendige Großstadt und ganz anders als Leipzig, Berlin oder Hamburg

Neapel ist immer eine Reise wert und – was mir schon im Bus aufgefallen war – die Stadt lebt. Aber sie lebt ganz anders als eine deutsche Großstadt. Wenn ich mir die Menschen in Berlin oder Hamburg anschaue, dann sehe ich konzentrierte Gesichter, ich sehe Leute, die aneinander vorbei eilen, die einen Eindruck von Geschäftigkeit, von Druck und Stress vermitteln. Hier habe ich Menschen mit entspannten Gesichtern gesehen: Da vor dem kleinen Cafe stehen fünf oder sechs ältere Männer und diskutieren über irgendetwas, weiter an der Ecke neben dem kleinen Obstladen unterhalten sich ein paar Frauen und gleich neben den parkenden Autos spielen Kinder Fußball. Aber Neapel hat aber auch andere Seiten – von riesigen Müllbergen gesäumte Straßenränder, runtergekommene Häuser, Bettler und Obdachlose.

Neapel lebt, aber es lebt ganz anders als eine Stadt in Deutschland!

Auftakt in der Camera di Commercia di Napoli

Mit dem Hotel hatte ich viel Glück– von „meiner“ Frühstücksterrasse aus genoss ich einen unglaublichen Blick auf den Vesuv und den neapolitanischen Hafen mit einer historischen Burg. Das war wirklich wie im Urlaub!

Nach einer kleinen aber feinen Abend-Auftaktveranstaltung in der Camera di Commercia di Napoli (zu deutsch und weniger schwungvoll: Handelskammer Neapel) gab es einige Gespräche unter Politikern, Unternehmern und Medienvertretern. Aus Deutschland waren dort unter anderem die Geschäftsführerin der HWK zu Leipzig Frau Kerstin Schultz, der Präsident des BVMW Verbandes Mario Ohoven und Head of the BVMW-Europe Office Stefan Moritz.

Blick auf den Vesuv

Tolle Aussicht: Frühstück mit Blick auf den Vesuv

Visitenkarten waren gestern

Da die Konferenz im Zeichen des Digitalen stand, hatten wir dort einige spannende Dinge im Einsatz, die ich bis dahin gar nicht kannte. Zum Beispiel gab es Namensschilder, an deren Rückseite ein Chip integriert war. Wenn ich mich mit jemandem unterhielt, dann mussten wir keine Visitenkarten austauschen, sondern nur diese Plastikschilder aneinander halten. Dann war ein Brummen zu hören und die Daten waren gegenseitig übertragen. Am Ende der Konferenz konnte ich per App ansehen, um welche Uhrzeit ich mit wem Kontakt hatte und sofort die Person anschreiben. Hier ist ein Screenshot davon – eine wirklich tolle Sache!

SME Assembly Naples App

Mithilfe eines modernen Systems hatten die Teilnehmer der SME Assembly ganz einfach die Möglichkeit, ihre Kontaktdaten auszutauschen

Am 02.10.2014 wurde „The 2014 SME Assembly“ feierlich eröffnet

Hochrangige Vertreter aus Politik und Wirtschaft, Abgesandte internationaler Organisationen, Repräsentanten führender Unternehmen und bedeutender Institutionen – die diesjährige KMU-Woche lockte einiges an Prominenz zur Hauptversammlung nach Neapel. Auch der italienische Präsident erwies den Teilnehmern mit seiner Anwesenheit die Ehre. Zudem wurde EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso per Videoübertragung live zugeschaltet.

Und mittendrin – ich.

Im Ernst, wenn ihr mich fragt, ob ich mir das bei der Gründung von Lensspirit so vorgestellt habe? Nein, so visionär war ich wohl doch nicht. Ich habe mich damals über meinen ersten Kunden wie ein Schneekönig gefreut, jeden Tag die Päckchen mit Kontaktlinsen persönlich zur Post geschleppt und mir beim Erstellen des ersten „Self-made“ Katalogs die Nächte um die Ohren geschlagen. Ja damals… Und heute? Heute arbeite ich mit einem Team zusammen, das Optimismus, Kreativität und Kompetenz vereint. Wir haben es geschafft über eine recht lange Zeit die Firma nachhaltig zu entwickeln und unsere Arbeitsstätte zu einem tollen Begegnungsort zu machen. Eine großartige Arbeit, die schon lange nicht mehr nur mir alleine zuzuschreiben ist.

Genau darüber sollte ich also berichten, als ich beim „Entrepreneurship Forum“ auf dem Podium stand.

“Ladys and Gentlemen, I’ll speak in German, so you have now the chance to take your translator.“

Und das waren dann wahrscheinlich die aufregendsten siebeneinhalb Minuten meines Lebens -außerhalb eines Rennwagens :-)

Artikel teilen

Über den Autor /


Sweta

ist Geschäftführerin und Gründerin von Lensspirit.

Verwandte Artikel

Kommentar posten

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * markiert

Über Lensspirit

Lensspirit ist einer der führenden Kontaktlinsen-Versender in Deutschland und Europa mit Hauptsitz in Leipzig. 1997 von Swetlana Reiche gegründet, beliefert Lensspirit heute sowohl Endverbraucher als auch Großkunden in über 26 europäischen Ländern.

Die Firmenphilosopie beruht auf Nachhaltigkeit, Kontinuität und sozialer Verantwortung. Professionalität und Teamarbeit sowie eine offene und freundliche Kommunikation werden bei Lensspirit gelebt – intern wie extern.

Flickr Fotos

Social Media

banner