Smart Lens von Google – Die digitale Zukunft der Kontaktlinse

Google Smart Lens - die intelligente Kontaktlinse

Sphärisch,  torisch, multifokal – das Spektrum an Kontaktlinsentypen ist riesig und wird durch stetige Forschung und innovative Ideen immer weiter ergänzt und verbessert. In den nächsten Jahren soll jedoch ein Produkt auf den Markt gebracht werden, das alle bisher entwickelten Technologien in den Schatten stellt und völlig neue Wege beschreitet.

Novartis und Google entwickeln gemeinsam intelligente Kontaktlinse

Wie das Pharmaunternehmen Novartis in einer Pressemitteilung am 15. Juli 2014 bekannt gab, entwickelt es ab sofort in Zusammenarbeit mit Google eine digitale Kontaktlinse, die Diabetikern das Messen des Blutzuckerspiegels erleichtern soll. Anhand eines winzigen Sensors, der in die Kontaktlinse eingebettet ist, wird sekündlich der Glukose-Anteil in der Tränenflüssigkeit gemessen. Über einen drahtlosen Mikro-Funkchip werden die Informationen dann an eine  Smartphone-App gesendet. Google erwägt zusätzlich auch ein Warnsignal über eine Mikro-LED in die Kontaktlinse zu integrieren. Die Warnung würde dann direkt vor dem Auge des Smart-Lens-Trägers erscheinen.

Bisher müssen sich Diabetiker mehrmals täglich in den Finger stechen, um dort Blut zur Messung des Blutzuckerspiegels zu entnehmen. Wird der Blutzuckerspiegel nicht regelmäßig überwacht kann es zu verschiedenen Komplikationen kommen: Neben kurzfristigen Problemen wie Herzklopfen, Schweißausbrüchen und Antriebslosigkeit kann es auch zu Langzeitschäden der Sehkraft sowie Schädigungen von Leber und Herz kommen.

Die intelligente Kontaktlinse würde erstmalig ein nichtinvasives Blutzucker-Messverfahren  zur Verfügung stellen. Diabetiker müssten sich dann also endlich nicht mehr in den Finger stechen, um ihre Werte zu kontrollieren.  Ein kurzer Blick auf das Handy wird genügen. „Es ist unser Traum, die neueste elektronische Mikro-Technologie zu nutzen, um das Leben von Millionen Menschen zu verbessern“, sagte Sergey Brin, Mitgründer von Google.“Wir freuen uns darauf, diesen Traum durch die Zusammenarbeit mit Novartis wahr werden zu lassen.“

Smart-Lens-Technologie soll auch Altersweitsichtigkeit ausgleichen

Laut Novartis wird die intelligente Kontaktlinse aber noch mehr können als nur den Blutzuckerspiegel zu überprüfen. Mit einer neuen Technologie soll die altersbedingte Weitsichtigkeit (Presbyopie) korrigiert werden.

Schon heute gibt es dafür multifokale Kontaktlinsen. Diese sind in verschiedene Bereiche unterteilt, die über unterschiedliche Dioptrienstärken verfügen, so dass sowohl in der Nähe als auch in der Ferne ein scharfes Bild entsteht. Die digitale Kontaktlinse wird mit einer neuen Methode die Fehlsichtigkeit ausgleichen. Die Frage, wie diese aussieht, konnte mir von Alcon (dem auf Augenmedizin spezialisierten Tochterunternehmen von Novartis) bislang leider noch nicht beantwortet werden. Vielleicht wird der Linsenkern des Auges, der für das Fokussieren verantwortlich und bei Presbyopie verhärtet ist, durch elektrische Impulse stimuliert. Möglicherweise verfügt die Kontaktlinse selbst aber auch über eine Art automatischen Zoom, ähnlich dem einer Kamera. Wir dürfen auf jeden Fall gespannt sein.

Wusstet ihr übrigens, dass Altersweitsichtigkeit jeden trifft? Bereits ab dem 10. Lebensjahr nimmt die Fähigkeit nahe Objekte zu fokussieren ab. Das ist ein natürlicher Prozess,  den die meisten Menschen erst ab einem Alter von ca. 40 Jahren und manche überhaupt nie bemerken.

Vielleicht werdet ihr selbst ja in einigen Jahren eure Alterssichtigkeit mithilfe smarter Kontaktlinsen ausgleichen?

Google Smart Lens - die intelligente Kontaktlinse

Die intelligente Kontaktlinse soll mittels eines drahtlosen Mikro-Funkchips Informationen ans Smartphone leiten (Foto: Google)

Jahrelange Forschungsarbeit von Google

Schon seit Jahren arbeitet Google an hochtechnisierten Kontaktlinsen. Babak Parviz, einem der damaligen Forscher, war es 2009 erstmals gelungen eine Kontaktlinse zu entwickeln, die direkt vor dem Auge des Trägers ein Bild von der Größe eines Pixels projiziert. Das Ergebnis war ein großer Erfolg, das Produkt jedoch längst nicht marktfähig.

Im April dieses Jahres vermeldete die Süddeutsche in ihrer Online-Ausgabe, dass Google ein Patent für eine Kontaktlinse mit Mikro-Kamera beantragt hat. Diese soll in erster Linie blinde Menschen unterstützen, indem sie beispielsweise im Straßenverkehr Warnsignale an den Träger versendet. Die Anmeldung eines Patents ist allerdings erst ein kleiner Schritt, auf den ein langer Zeitraum des Experimentierens folgt, bevor überhaupt von einem konkreten Produkt gesprochen werden kann.

Die im Januar 2014 von Google angekündigte Smart-Lens-Technologie hingegen ist ein schon deutlich ausgereifteres Zukunfts-Projekt, welches nun durch die Kooperation mit einem der weltweit größten Pharmakonzerne bereits konkrete Formen annimmt. Anfang 2015 soll der erste Prototyp vorgestellt werden und in 5 Jahren das fertige Produkt auf den Markt kommen.

Auch andere Forschungsteams arbeiten an neuen Methoden zur Blutzuckermessung

Das staatliche Korea Institute of Science and Technology arbeitet ebenfalls schon seit einiger Zeit an einer Kontaktlinse, die den Blutzuckerspiegel von Diabetikern messen soll. Im Gegensatz zur Smart Lens von Google ist die Entwicklung aus Korea noch nicht in der Lage Daten an ein externes Gerät zu versenden. Dafür soll sie aber nach Angaben der beteiligten Wissenschaftler über eine ausgereiftere Methode zur Blutzuckerspiegel-Messung verfügen.

Das Fraunhofer Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme (IMS) hat in Zusammenarbeit mit dem niederländischen Unternehmen NovioSense BV einen winzigen Biosensor (0,7mm x 10mm) entwickelt, der unterhalb des Auges angebracht wird und den Blutzuckerspiegel misst. Die Ergebnisse können mithilfe eines mobilen Endgerätes, auf das die Daten übermittelt werden, vom Nutzer überwacht werden. Das Produkt soll bereits in 2 bis 3 Jahren für den Verkauf freigegeben werden – im besten Fall noch bevor Google seine intelligente Kontaktlinse auf den Markt bringt.

Startschuss für die Digitalisierung des Gesundheitswesens?

Die Zusammenarbeit von Novartis und Google ist möglicherweise der Beginn einer langfristigen Entwicklung. Pharmaunternehmen könnten in Zukunft viel häufiger auf das technische Know-how aus der Computerbranche zurückgreifen. Schon heute werden bei Menschen Elektroden ins Gehirn implantiert um Bewegungsstörungen zu lindern. Bald werden vielleicht Mikro-Chips entwickelt, die aus medizinischer Sicht keine Notwendigkeit besitzen und allein dem eigenen Gehirn als Upgrade dienen.

Ich bin mir sicher, auch die intelligente Kontaktlinse wird noch viel weiter entwickelt werden, als es bislang offiziell geplant ist. Schlussendlich werden nicht nur Diabetiker und Altersweitsichtige von ihr profitieren, sondern alle anderen Menschen ebenso. Es wird wahrscheinlich möglich sein, Bilder und Videos direkt vor dem eigenen Auge abzuspielen oder Informationen aus dem Internet abzurufen. Die aktuelle Neuheit Google Glass wird uns dann womöglich vorkommen wie ein unhandliches und antiquiertes Relikt aus längst vergangenen Zeiten.

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Immanuel

ist Online-Redakteur bei Lensspirit und bereichert unseren Blog mit spannenden Artikeln zu den Themen Ausbildung, Forschung, Wissenschaft und Kultur.

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