Der Stroop-Effekt – was steckt dahinter?

So funktioniert der Stroop-Effekt

Eines der faszinierendsten Phänomene der Experimentellen Psychologie: Der Stroop-Effekt

Hat ein Mensch genügend Routine bei einer Handlung, steuert das Gehirn viele dieser Vorgänge „automatisch“. D.h. wir müssen uns nicht alle Teile einer Handlung explizit bewusst machen, sondern können darauf vertrauen, diesen Ablauf ganz selbstverständlich ohne erhöhten Aufwand durchführen zu können.

Somit arbeitet das menschliche Gehirn im Alltag äußerst effizient und hilft uns, Ressourcen optimal einzusetzen und unsere Aufmerksamkeit auf wichtige, ungewohnte Reize zu richten. Im Gegenzug können allerdings Probleme entstehen, wenn die routinierte Handlung gehemmt werden soll und wir z.B. einen anderen Bewegungsablauf als üblich ausführen wollen.

Die von Lensspirit entwickelte Spiele-App „Super Strooper“ macht sich diese auch als „Stroop-Effekt“ bekannte Tatsache zu nutzen. Doch wie funktioniert der Stroop-Effekt eigentlich?

So entstand die Stroop-Aufgabe

Beim Stroop-Effekt (auch Stroop-Paradigma genannt) handelt es sich um ein einfach nachzuvollziehendes Phänomen aus der Experimentellen Psychologie. In seiner Dissertation beschrieb John Ridley Stroop 1935 ein Verfahren zur Messung der individuellen Interferenzneigung (Farb-Wort-Interferenz), welches er auch an zahlreichen Versuchspersonen durchführte.

Der nach ihm benannte Stroop-Effekt tritt bei mentalen Verarbeitungskonflikten auf und zeigt anschaulich, dass automatisierte Handlungen weniger Aufmerksamkeit benötigen als ungewohnte, neue Abläufe. Eine Tatsache, die sich im Alltag häufig beobachten lässt, z.B. beim Autofahren.

Stroop nutze für seine Versuchsanordnung Konzepte, die bereits ein halbes Jahrhundert zuvor von Wilhelm Wundt und seinem Assistenten James McCeen Cattel an der Universität Leipzig untersucht worden waren. Cattel wurde später übrigens der erste Professor für Psychologie in den USA.

Während seiner Zeit in Leipzig konnte Cattel zeigen, dass Probanden Wörter schneller lesen können als ihre Eigenschaften korrekt zu benennen. Stroop kombinierte später als erster die Bedingungen Wort und (Farb-)Eigenschaft in einem geschlossenen Versuchsaufbau.

Was siehst du vs. Was liest du?

Super Strooper - ein Beispiel für den Stroop-Effekt

Die klassische Stroop-Aufgabe besteht darin, dass ein Proband möglichst schnell die Farbe eines Wortes (z.B. ROT) nennen muss. Farbe des Wortes und Aussage stimmen hier überein, die richtige Antwort lautet also „rot“. Diese einfache Aufgabe bewältigen die Versuchspersonen in der Regel extrem zügig und ohne Probleme.

Nun kommt die inkongruente Bedingung hinzu: Das Wort wird in einer anderen Farbe präsentiert, z.B. in blauer Schrift, also ROT. Die richtige Antwort lautet in diesem Fall „Blau“ und wird in der verzögert gegeben, zudem wird dieser Antworttyp als schwieriger erlebt.

Grund dafür ist die sogenannte asymmetrische Interferenz. Laut Müsseler & Prinz (2002) verstehen Psychologen darunter die „Fähigkeit zur selektiven Reaktion auf einen Aspekt des Stroop-Stimulus (die Farbe)“, welche durch die Wortinformation gestört wird. Es fällt uns schwer, die Wortinformation zu ignorieren, da das Lesen von Worten ein automatisierter Prozess ist. Daher kommt es zu dem beobachtbar verlangsamten Antwortverhalten.

Aktueller Wissensstand und Einsatzgebiete

Seit seiner Entdeckung wurde der faszinierende Stroop-Effekt unzählige Male wiederholt und bestätigt. Neben der Grundlagenforschung kommen die Erkenntnisse aus dem Stroop-Verfahren heute besonders in der angewandten Forschung – z.B. bei der neuropsychologischen Diagnostik und der pädagogischen Forschung – zum Tragen.

1 Minute Gehirntraining mit Super Strooper von LensspiritEine interessante Studie mit dem Titel „Enclothed Cognition“ hat mit Hilfe des Stroop-Effektes 2012 herausgefunden, dass die Art unserer Kleidung unsere Wahrnehmung sogar noch stärker beeinflusst als zuvor angenommen. Ein weißer Arzt- oder Laboranten-Kittel schärft unsere Sinne und setzt damit verbundene Assoziationen frei, fanden die beiden Autoren Adam und Galinsky heraus. Eine genauere Beschreibung des Versuchsaufbaus und der Ergebnisse sind hier nachzulesen.

Eine Weiterentwicklung der klassischen Aufgabe ist der emotionale Stroop-Test. Mit dessen Hilfe konnte u.a. gezeigt werden, dass Menschen, die an Depression leiden, die Farbe von negativen Wörtern signifikant langsamer benennen als von neutralen oder positiven Reizen.

 

Vorteile im Alltag

Welchen Vorteil hat es nun täglich wenige Minuten Super Strooper zu spielen? Mit wenig Aufwand und kurzem Zeiteinsatz können so die Prozesse im Arbeitsgedächtnis optimiert, unsere Aufmerksamkeit geschärft sowie die Reaktionsfähigkeit und die Auge-Hand-Koordination verbessert werden.

Die Untersuchungen zum Stroop-Effekt haben einen weiteren, interessanten Nebeneffekt für den Alltag verdeutlicht. So ist bewiesen, dass auch recht abstrakte Ziele (z.B. kooperatives Verhalten) unbewusst aktiviert werden und unser Verhalten ohne bewusste Vermittlung beeinflussen (vgl. Müsseler/Prinz, 2002). D.h. unsere Gedanken sind vermutlich doch stärker, als wir ihnen bisweilen zugestehen mögen.

Eine positive Einstellung und das aktive Formulieren von persönlichen Zielen sind daher enorm wichtig, weil wir unser Verhalten unbewusst danach ausrichten. Diese innere Einstellung kann uns somit dabei helfen, unsere Ziele zu erreichen und Träume zu verwirklichen.

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Claudia

ist bei Lensspirit für die Bereiche Kommunikation und Social Media zuständig. Hier im Blog leitet sie die Redaktion, ist auch selbst als Autor tätig, recherchiert...

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