Wohin bei schlechter Sicht: Augenarzt oder Augenoptiker?

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Augenarzt oder Augenoptiker. Wo sollte ich hingehen?

Es kommt eine Zeit, früher oder später, dann merkt man, dass etwas nicht stimmt. Unsere Augenoptikermeisterin Manuela Müller sagt dazu gern: „Ab ca. 40 Jahren werden beim Lesen der Morgenzeitung die kleinen Buchstaben immer unlesbarer und die Arme immer länger, um sie möglichst doch noch entziffern zu können „Die Alterssichtigkeit“ setzt ein.

Manche werden erst im Alter fehlsichtig, wenn eine Brille zum Lesen benötigt wird. Andere trifft es schon viel früher und sie benötigen eine Sehhilfe. Doch an wen wendet man sich? Geht man zum Augenoptiker oder doch lieber zu einem Augenarzt? Eine schwierige Frage, die wir auch unseren Facebook-Fans gestellt haben und das sind ihre vielfältigen Antworten:

Thomas Schreiber: „Lieber zum Optiker, die nehmen sich mehr Zeit und sind gewissenhafter – so meine Erfahrung.“

Jayan Kachiro: „Augenarzt :D“

Melanie Dams: „Ich geh 1 mal im Jahr zum Augenarzt… sollte sich die Sehfähigkeit verschlechtert haben und ich brauche eine neue Brille wird es meistens beim Optiker auch noch mal überprüft.“

Damit liegt Melanie goldrichtig. Denn es gibt Dinge, die nur ein Augenarzt zuverlässig diagnostizieren kann, aber in den meisten Fällen reicht der Gang zum Augenoptiker. Dennoch sind Routinekontrollen wichtig. Schließlich geht auch jeder jährlich zum Zahnarzt. Auch wenn es nicht immer in den Kalender passt, ist es wichtig die Sehstärke einmal im Jahr prüfen zu lassen. Damit tut ihr nicht nur euren Augen einen Gefallen, sondern eurer Gesundheit im Allgemeinen. Denn ermüdete Augen führen zu Kopfschmerzen und Nackenverspannungen. Das sorgt für wenig Lebensqualität. Doch wer macht jetzt was?

Der Augenarzt

Der Augenarzt ist der medizinische Spezialist. Er erkennt und behandelt Augenkrankheiten auch in Bezug auf alle Augenbeschwerden bei Allgemeinerkrankungen wie zum Beispiel Diabetes mellitus. So trifft der Augenarzt medizinische Diagnosen, verordnet Medikamente und führt Operationen durch. Das Anpassen und verordnen von Sehhilfen ist dabei nur ein sehr kleiner Teil seiner Arbeit.

Wie läuft eine Untersuchung beim Augenarzt ab?

Eine typische Untersuchung läuft ungefähr so ab: Mit einem Sehtest fängt alles an. Damit wird die Sehstärke bestimmt. Falls man bereits eine Sehhilfe nutzt, wird dieser erste Sehtest auch mit dieser durchgeführt. Ziel dieses ersten Vortestes ist es, die aktuelle Sehleistung mit der getragenen Sehhilfe zu ermitteln. Danach nimmt der Augenarzt das Autorefraktometer, ein Gerät, welches automatisch mit ca. 90%iger Genauigkeit die aktuellen Sehstärken ermittelt und vergleicht diese neuen Werte mit denen der bisher getragenen Brille und entscheidet hieraus, ob ein weiterer individueller Sehstärkenabgleich notwendig ist. Nun nutzt der Augenarzt die Spaltlampe, ein spezielles Biomikroskop mit hoher Vergrößerung zur detailierten Begutachtung des aktuellen Gesundheitszustandes des Auges. Die Augeninnendruckmessung ist keine Pflicht, sondern ein Kann-Programm. Häufig muss der Patient diese Untersuchung auch als Kassenpatient privat bezahlen.

Danach kommt das sogenannte Tonometer zur Augeninnendruckmessung zum Einsatz. Hier werden sowohl die Applanations-Tonometrie, bei der das Messgerät direkt auf der Hornhaut aufliegt und die Hornhaut für den Einsatz zuvor betäubt werden muss, als auch alternativ die sogenannte Non-Contact-Tonometrie genutzt, bei der der Druck ohne Kontakt zur Hornhaut mit Hilfe eines Luftstoßes ermittelt wird. Insbesondere die Applanations-Tonometrie darf aufgrund der Betäubung nur durch den Augenarzt durchgeführt werden. Der Augeninnendruck ist wichtig, um die Form des Augapfels aufrecht zu erhalten. Erhöht sich der Augeninnendruck beispielsweise dadurch, dass das Kammerwasser des Auges nicht mehr abfließen kann, kann es zu einer Verminderung der Durchblutung im Auge kommen und damit zu einer schrittweisen Schädigung der Nervenfasern des Sehnerven mit daraus resultierenden Gesichtsfeldausfällen, besser bekannt als Glaukom oder „Grüner Star“.

Liegen Beschwerden seitens des Patienten vor oder Auffälligkeiten nach der Spaltlampenuntersuchung und ggfs. der Tonometrie, so werden weitere, genauer auf die Symptome eingehende Untersuchungen durchgeführt, beispielsweise Untersuchungen zur Begutachtung der Netzhaut.

Die Aufgaben eines Augenarztes auf einen Blick:

  • u.a. Erkennen und Behandlung von Augenkrankheiten
  • Verschreibung von Medizin und Sehhilfen
  • entsprechend der Qualifikation des Arztes auch Operationen am Auge
  • Sehtest, Refraktionsbestimmung, Sehhilfenanpassung

Vorbereitung auf den Augenarzt (Checkliste zum Download)

Natürlich wird der Augenarzt auch viele Fragen stellen, um eine genaue Diagnose stellen zu können. Damit man nicht überrascht wird und wer sich gerne vorbereiten möchte kann sich an folgenden Fragen orientieren:

  • Gibt es bei Verwandten Augenkrankheiten, etwa bei den Geschwistern oder den Großeltern?
  • Lagen in der Vergangenheit schon einmal Erkrankungen der Sehorgane vor? Werden oder wurden dagegen Medikamente eingenommen?
  • Liegen sonstige chronische oder aktuelle Krankheiten vor?
  • Seit wann trägst du  Kontaktlinsen oder eine Brille und wann wurde die Letzte verordnet? Am besten bringt man die Brille und Linsen in die Praxis mit.
  • Falls man mehrere Brillen besitzt: Mit welcher sieht man am besten?
  • Werden Medikamente eingenommen und wenn ja welche? Am besten bringt man diese mit.
  • Liegen Allergien vor? Wenn ja: Auf welche Stoffe reagiert dein Körper überempfindlich?

Wichtige Tipps:

  • mit Hilfe von Augentropfen werden die Pupillen des Patienten erweitert, dadurch wird das Sehen beeinträchtigt und die Lichtempfindlichkeit steigt
  • im Vorfeld Hilfe organisieren, um vom Arzt abgeholt zu werden
  • gegen die Blendempfindlichkeit nach der Untersuchung hilft eine Sonnenbrille
  • Verzicht auf Augen-MakeUp um die Untersuchung nicht zu stören

Kann der Arzt auch Kontaktlinsen anpassen?

Natürlich kann der Augenarzt auch Kontaktlinsen anpassen, jedoch wird er dafür erst einmal feststellen, ob der Patient auch welche tragen kann. Denn nicht jedes Auge eignet sich hierfür – zum Beispiel wenn das Auge besonders trocken ist. Sind die Augen genug von Natur aus befeuchtet, steht dem Kontaktlinsen tragen nichts mehr im Weg. Nicht nur Kinder sollten regelmäßig zur Untersuchung, sondern auch Erwachsene ab dem 40. Lebensjahr. Denn dann setzt meist die bekannte Altersichtigkeit ein. Die Vorsorgeuntersuchung für Erwachsene und Kinder übernimmt die Grundversorgung der Krankenkasse. Deshalb kann sich jeder jederzeit bei Beschwerden der Augen an einen Augenarzt wenden.

Wann soll ich zum Augenarzt?

Zum Arzt solltest du gehen, wenn einige dieser Dinge auf dich zutreffen, denn dann liegen eventuelle Krankheiten vor, die nur ein Arzt diagnostizieren kann.

  • Du einen heftigen Schlag oder Stoß in oder gegen das Auge bekommen hast. Die Gefahr einer Verletzung des Augeninneren, einer Blutung oder Prellung ist sehr groß.
  • Eine ätzende Substanz in das Auge gekommen ist.
  • Ein festsitzender Fremdkörper, etwa Splitter, im Auge sitzt. Diesen darf nur ein Augenarzt entfernen.
  • Blutungen im oder am Auge festgestellt werden.
  • Große Hautveränderungen am Auge auftreten.
  • Schatten und Blitze im Gesichtsfeld auftauchen.
  • Falls ein Regenbogen um Lichtquellen gesehen wird.
  • Vermehrter Kopfschmerz auftritt.
  • Falls besondere Empfindlichkeit bei Licht festgestellt wird.

Der Augenoptiker

Der Zeitfaktor spielt eine wichtige Rolle, das zeigte auch schon unsere Miniumfrage bei Facebook. Kaum jemand setzt sich gern stundenlang ins Wartezimmer beim Augenarzt, wenn er nur neue Kontaktlinsen anpassen lassen möchte. Deswegen haben auch schon viele den Weg in unser Lensspirit Anpassstudio in Leipzig zu unserer Augenoptikermeisterin Manuela Müller und Augenoptikerin Elke Weber gefunden. Ela erklärt einen Teil ihrer Aufgaben als Augenoptikermeisterin:

Augenoptikermeisterin Manuela Müller„Generell ist es so, dass der Augenarzt für die Gesundheit des Auges zuständig ist, also für alle Augenkrankheiten, für Diagnosen, medikamentöse Behandlungen und Operationen. Der Augenoptiker ist für die Technik rund ums Auge zuständig. Optik ist ein Bereich der Physik und beschäftigt sich unter anderem mit Lichtbrechung und Lichtstrahlen. Bei einer Fehlsichtigkeit landet das Bild des zu betrachtenden Objektes (z.B. Baum) nicht auf der Netzhaut oder anders ausgedrückt: Die vom zu betrachtenden Objekt (z.B. Baum) ausgehenden Lichtstrahlen landen nicht auf der Netzhaut, die Abbildung, beispielsweise des Baumes erscheint undeutlich. Daher fallen Fehlsichtigkeiten in den Bereich der Augenoptik. Die Refraktion (Augenglasbestimmmung), sowie die Brillen- und Kontaktlinsenanpassung sind daher eigentlich Aufgaben des Augenoptikers. Für den Augenarzt nimmt die klassische Sehstärkenbestimmung nur einen sehr kleinen Teil des Studiums ein – auf der Meisterschule dauert die Ausbildung in diesem Bereich 1-2 Jahre.“

Bei der Refraktion (der Augenglasbestimmung) werden zunächst die Vorwerte mit Hilfe des bereits oben erwähnten Autorefraktometers ermittelt. Diese Werte werden nun in die Messbrille übernommen, um zu ermitteln, ob eine Kurzsichtigkeit oder Weitsichtigkeit, ob eine Hornhautverkrümmung, eine Alterssichtigkeit oder ein Schielfehler vorliegen.

Die Prüfung der Sehstärke für die Ferne findet anhand der Sehtafel statt. Auf diese werden in ca. 4 Meter Entfernung Zahlen, Buchstaben oder Landolt-Ringe projeziert, die von Reihe zu Reihe immer kleiner werden. Die Nah-Sehstärkenmessung wird auf eine Entfernung von 30-40 cm nach einem sehr ähnlichen Prinzip durchgeführt. Sowohl auch die Ferne als auch auf die Nähe werden die Augen zunächst einzeln (monokular) und später zusammen (bionokular) vermessen. Die Sehstärke wird in der euch bekannten Maßangabe Dioptrie (dpt) angegeben.

Bei der Kontaktlinsenanpassung werden zusätzlich mit Hilfe des Keratometers eure Hornhautradien und eure Hornhautabflachung bestimmt und wie auch beim Augenarzt kommt nun auch beim Augenoptiker die Spaltlampe zur Betrachtung des so genannten vorderen Augenabschnittes zum Einsatz, sowie zur Ermittlung weiterer Kontaktlinsen-Parameter.

Stellt der Augenoptiker bei der Refraktion oder der Spaltlampenuntersuchung Auffälligkeiten fest, so darf er diese als Nicht-Mediziner nicht diagnostizieren, sondern überweist den Kunden zur Kontrolle und ggfs. zur Behandlung zum Augenarzt.

Die Aufgaben eines Augenoptiker auf einen Blick:

  • ausführliche Anpassung und evtl. auch Anfertigung von Sehhilfen
  • Kontrolle der Sehstärke  mit Hilfe von Sehtests
  • Refraktion

Wer macht nun was?

Wie wir gerade lesen konnten, haben beide Berufe einige Berührungspunkte, sind aber auch sehr unterschiedlich. Beide führen die Refraktionsbestimmung durch und passen Sehhilfen an, aber der Augenarzt ist in erster Linie ein Mediziner, der sich besonders mit krankhaften Veränderungen des Auges auseinandersetzt. Während der Augenoptiker vorallem für die Anfertigung und Anpassung von Sehhilfen zuständig ist. Falls du nun einfach das Gefühl hast, dass du nicht mehr klar sehen kannst, ist ein Gang zum Augenoptiker äußerst sinnvoll. Im Fall einer Anpassung nimmt sich ein Augenoptiker viel Zeit.  Zum Augenarzt musst du nur zur Kontrolle und wenn du Schmerzen am bzw. im Auge hast, auch nach einem Unfall ist der Gang zu einem Augenarzt empfehlenswert.

Lensspirit Checkliste zum Besuch eines Augenarztes: Jetzt downloaden

Wo werdet ihr demnächst hingehen?

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arbeitete bei Lensspirit im Kundenservice und bereicherte als Autor für das Social Media Team diesen Blog mit spannenden Themen rund um das Thema Kontaktlinsen.

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7 Kommentare

  1. abc

    Da das jetzt meine erste Kontrolle für den Kauf einer Brille mit Sehstärke ist, gehe ich erstmal zum Augenarzt. Beim zweiten Mal würde ich dann zum Augenoptiker gehen, falls keine Symptome für irgendwelche Krankheiten bestehen oder es sich um einen Notfall handeln sollte.

  2. Colibri optic

    Danke für den informativen Artikel. Wer in den Stadt wohnt, dem empfiehlt sich zunächst der Gang zum Augenoptiker. Dieser, und das zeugt von einem guten Augenoptiker, sollte danach immer dem Kunden/ Patienten empfehlen bei seinem Anliegen einen Augenarzt aufzusuchen, wenn dies denn notwendig ist. Meistens ist es das nicht. Dennoch ist das sehr sehr wichtig. Daher sollte der Kunde/ Patient seinem Augenoptiker vertrauen können, um stets den richtigen Weg einzuschlagen. Ein regelmäßiger Besuch beim Augenarzt empfiehlt sich als Vorsorgeuntersuchung sowieso.

    Danke für den guten Artikel,
    Maria

  3. HorstE

    Das wichtigste ist die Augenuntersuchung durchführen zu lassen. Und das mindestens einmal im Jahr. Vieles kann der Optiker machen, einiges muß der Augenarzt entscheiden

  4. TanjaV

    Ich denke auch, das man einen Teil der Augenuntersuchung beim Optiker machen lassen kann, z.B. ob sich die Sehstärke verändert hat. Für den Rest gibt es den Augenarzt als Spezialisten

  5. Nicole

    Eine Untersuchung beim Augenarzt, jährlich wie beim Zahnarzt, hat mit Sicherheit noch keinem geschadet. Und die Ausrede, ich wusste nicht wo, gilt heute ja wirklich nicht mehr. Einen Augenarzt im Internet suchen, sollte doch jeder hin bekommen

  6. David Müller

    Seit ein paar Tagen habe ich Probleme mit meinen Augen. Ich habe gehofft, dass ich weder zum Augenarzt noch zum Augenoptiker muss. Nun halte ich es nicht mehr aus und wollte gern wissen, an wen ich mich am besten wenden sollte. Ein Freund konnte mir da weiterhelfen: http://www.augenarzt-taghi.at/

  7. Jenny Eckhardt

    Hallo zusammen,
    neulich habe ich mich gefragt, worin der Unterschied zwischen einem Augenarzt und einem Augenoptiker liegt. Dank dieser Seite weiß ich, an wen ich mich bei welchen Problemen wenden muss. http://www.mein-augenarzt.at/

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