Woche des Sehens: Dialog im Dunkeln – Ein Erfahrungsbericht

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Schon mehrfach hatte meine Tochter mir von dem „Dialog im Dunkeln“ berichtet. Mit ihrer Schulklasse hatte sie die Ausstellung besucht und war ganz begeistert. Ich konnte mir wahrlich nicht viel darunter vorstellen, war aber durch die Erzählung neugierig geworden.

So machte ich mich also auf den Weg, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen.

In der Ausstellung angekommen musste man erstmal sämtlichen „Ballast“ ablegen. Dies bedeutete Taschen, Uhren, Schmuck und Brillen an der Garderobe abzugeben.  Dann wurden wir Sehenden von unserem blinden Guide Andreas begrüßt und bekamen eine kleine Belehrung wie wir uns in der Ausstellung zu verhalten hatten. Auch wir mussten uns kurz mit unseren Vornamen vorstellen und dann ging es auch schon los.

Unsere Gruppe von 8 Personen betrat den Ausstellungsraum. Es empfing uns eine totale Finsternis, von der ich annahm, dass sie sich in kürzester Zeit legen würde. Sicher würden sich meine Augen gleich an die „Lichtverhältnisse“ gewöhnen. Dem war aber nicht so. Wir blieben alle von der Dunkelheit umgeben. Nach anfänglichen, noch belustigenden Ausrufen wie: „Oh ist das dunkel“ oder „Hilfe ich sehe nichts, wo bin ich?!“ wurde unsere Gruppe doch etwas stiller. Andreas sprach jeden einzelnen von uns an und fragte wie es uns geht. Ich gab ihm zur Antwort „ gut“, worauf er mich prompt fragte: „Und warum guckst du so ängstlich Elke? Eine Frau von 1,80m braucht hier keine Angst zu haben.“ Ich war beeindruckt, er hatte von dem einen Wort, welches ich zur Antwort gab meine Angst gespürt und den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich bin wirklich so groß. Diese richtige Einschätzung von Andreas gab mir Mut und Vertrauen und ich konnte mich ganz und gar auf die neue, sehr ungewohnte Umgebung einlassen. Nachdem die Angst also ein kleines Stück gewichen war, machte sich die Neugierde breit. Wo befand ich mich? Was war um mich herum? Immer wieder stieß man vor Dinge oder Menschen. Schnell entstand in unserer Gruppe eine gewisse Vertrautheit, obwohl man sich total fremd war. Ich bin der Überzeugung, dass diese Hilfsbereitschaft bei uns Sehenden sonst nicht so schnell da ist. Mir ist es jedenfalls noch nicht passiert, dass mich ein anderer Besucher im Museum an die Hand nahm und mir Dinge gezeigt hat.

In dieser Ausstellung wurden wir mit ganz gewöhnlichen Alltagssituationen konfrontiert.

Mal befanden wir uns in der Stadt, an einer befahrenen Straße. Dann wieder im Wald oder in einem Geschäft. Wir schlenderten über einen Markt oder mussten in einen Bus einsteigen. Es ist wirklich beeindrucken wie schnell die anderen Sinnesorgane aktiviert wurden. Auf dem Markt habe ich sofort Äpfel gerochen, wobei ich noch gar nicht wusste, dass ich an einem Obststand angelangt war. In einer anderen Situation habe ich erst nach, für mich gefühlten 5 Minuten, begriffen, dass ich mich in einer Telefonzelle befand.

Der Abschluss unserer Führung war ein Besuch in einen Cafe. Dass hatten wir uns verdient.

Ich bin aus dieser Ausstellung sehr sensibilisiert heraus gekommen und große Hochachtung vor all denen, die ihren Alltag ohne Tageslicht meistern müssen.

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Über den Autor /


Elke

ist Augenoptikerin bei Lensspirit und schreibt für ihr Leben gern. Sie berät nicht nur unsere Kunden am Telefon und im Kontaktlinsen-Studio, sondern schreibt auch 1x...

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